Christa und Dr. med. Wilf Gasser

Christa und Dr. med. Wilf Gasser

Wolke oder Sumpf

Wolke oder Sumpf

PS19  Seminar 5 Samstag, 22.02.2020 in der Chrischona in Weinfelden

Thema:         Sexualität zwischen Wolke 7 und dem Sumpf
Referenten:  Christa und Dr. med Wilf Gasser (www.wachsende-intimität.ch)

Sexualität - Wie stehe ich dazu? Ist sie für mich kostbares Geschenk Gottes oder lediglich «notwendiges Übel» für die Fortpflanzung? Quält sie mich oder erfüllt sie mich mit Freude und Dankbarkeit, macht mich erst ganz Mensch? Wie bin ich geprägt, durch Eltern, Religion, Kirche, weltliche Medien? Getraue ich mich, darüber zu reden? Kann ich meinen Kindern eine gute Sexualität vermitteln?

Gerade in christlichen Kreisen über Sexualität konstruktiv zu reden ist eine Herausforderung. Christa und Wilf Gasser haben als Ehepaar diese Herausforderung angenommen und uns an diesem Samstag ihre Erkenntnisse darüber lebendig und mit Humor gewürzt weitergegeben. Sie haben uns gezeigt, dass wir Fragen zu diesem Thema nicht immer eindeutig beantworten können und wir dazu Gott einladen müssen, dass sein Geist uns hilft, die richtige oder angemessene Antwort zu finden. Gott zu diesem Thema unter der Gürtellinie einladen? Den Heiligen zu etwas «Unheiligem» einladen?

Dabei ist unsere Sexualität ein Geschenk von Gott an uns. Jeder Mensch ist als sexuelles Wesen geschaffen. Unsere Sexualität zu entdecken ist uns angeboren, als Kinder sind wir entdeckungsfreudig und kennen noch keine Scham. Es ist wichtig, unsere Sexualität an uns kennen zu lernen. Wir wissen aber auch, dass daraus in der Pubertät und dem Erwachsen werden starke Triebe erwachen. Wenn wir nicht lernen, diese Triebe zu beherrschen (nicht zu verleugnen) können sie uns gefährlich werden und zu Unzucht verleiten. «Denn dies ist Gottes Wille: eure Heiligung, dass ihr euch von der Unzucht fernhaltet, dass jeder von euch sich sein eigenes Gefäß in Heiligkeit und Ehrbarkeit zu gewinnen wisse, nicht in Leidenschaft der Lust wie die Nationen, die Gott nicht kennen;» (1 Thes 4,3ff) Wer lehrt uns, mit dieser mächtigen Kraft der Sexualität richtig umzugehen? Etwas so Intimes, Privates? Ganz klar, unsere Eltern! Doch was, wenn diese aus eigenem Unvermögen das nicht können? Die Kirche? Gerade die katholische Kirche ist da aufgrund des gesetzlichen Zölibats ungeeignet. Dabei ist jeder Priester, Bischof, ja selbst der Papst ein sexuelles Wesen. Wie gehen diese mit ihrer Sexualität um? Die vielen aufgedeckten Missbräuche zeigen leider nur den negativen Umgang mit diesem kostbaren Geschenk. 

Nachfolgend einige wichtige Aussagen von Christa und Dr. Med. Wilf Gasser:

  • Als sexuelle Wesen haben wir die Triebfeder in uns, die uns Selbstbefriedigung entdecken lässt, aber die Sexualität im WIR muss gelernt werden. Gott traut uns zu, mit diesem Thema umgehen zu können und Verantwortung zu übernehmen.
  • Sexualität startet immer beim ich, der Sehnsucht nach guten Gefühlen für mich. Selbst wenn ich mich in jemand anders verliebt habe, so bin ich verliebt in meine guten Gefühle. Der Weg vom ich zum wir ist ein lebenslanger Lernprozess. Dieses WIR können wir nur zusammen lernen.
  • Die Sexualität der Welt ist Orgasmus orientiert. Häufig steht der Fokus auf Lustmaximierung anstatt auf das Wachstum vom WIR. Wenn jedes in seiner Welt gefangen bleibt, ist es eher eine gemeinsame Selbstbefriedigung und stärkt nicht das WIR-Gefühl. Auf einen Geliebten ausgerichtete Sexualität ist uns erstmal eine unbekannte Dimension. 
  • Die Sexualität des WIR ist Wellness orientiert. Es geht darum, einander lustvolle Empfindungen zu schenken und selbst lustvolle Berührungen und Empfindungen anzunehmen und zu geniessen. Wir lernen miteinander freiheitlich zu reden ohne einander unter Druck zu setzen. Jeder ist selbst verantwortlich für seine Bedürfnisse. In die Freiheit ohne Druck muss man hineinwachsen und daran arbeiten und darüber reden.
  • Nur wer frei ist kann lieben. Sexualität ist Geschenk und kein einforderbares Recht. 
  • Selbstbefriedigung kann grundsätzlich ein neutraler Teil unserer Sexualität sein. Gott mag uns gute Gefühle gönnen. Das Problem der Selbstbefriedigung liegt in der Ichbezogenheit und der Konditionierung! Konditionierung auf Abläufe wie Lust aufgebaut und befriedigt wird. Diese Sexualität ist nicht auf das WIR ausgerichtet. Es ist ein gutes Ziel, ohne Selbstbefriedigung zu leben.
  • Konditionierung: Eine grosse Gefahr für Kinder und Teenies ist das Schauen von Pornobildern, was zur Sucht führen kann. Die eigenartige Mischung aus Anziehung und Abstossung können zu ungesundem Verhalten führen. Die Lust ist fokussiert auf eine Sache, nicht auf eine Person. Wo habe ich meine Bilder her, was hat mich geprägt und konditioniert? Pornographie steckt uns in ein Gefängnis und verhindert das WIR. Diese Konditionierung kann in der Ehe nicht einfach abgeschaltet werden. Pornographie fixiert eine egozentrische Sexualität.
  • Pseudointimität verspricht den schnellen erotischen Kick ohne Arbeit an der Paarintimität. Dies ist absolut hinderlich für die Beziehung. Pseudointimität beim Mann sind Pornofilme, bei der Frau Filmschnulzen, Tagträume und zunehmend ebenfalls Pornographie (Pornoindustrie hat ganz gezielt versucht, dies zu fördern). Dabei ist das von der Sexindustrie vermittelte Bild der Sexualität absolut unrealistisch und der Ehepartner, ob Mann oder Frau wird dabei überfordert, das WIR zerstört.
  • Ehebund: aus dem DU und dem ICH bewirkt Gott eine neue Person, die Eheperson, das WIR.
 «Dies Geheimnis ist gross; ich deute es aber auf Christus und die Gemeinde.» (Epheser 5,32) Der Ehebund ist also weit mehr als ein Ehevertrag. Im kündbaren Ehevertrag, den wir auf dem Zivilstandesamt schliessen, regeln wir gegenseitige Rechte und Pflichten. Weltliche Paare halten diesen Vertrag, solange er ihnen Nutzen bringt. Der Ehebund ist zu vergleichen mit dem Bund, den Jesus beim letzten Abendmahl mit uns geschlossen hat. Darin enthalten ist die bedingungslose göttliche Liebe zu uns (Agape). Der Ehebund ist auch die Feuerschale für unser Liebesfeuer zu einander und zu Gott, dem Dritten im Bunde. Und wenn wir das willentliche Ja zu diesem Bund geben, verschenken wir unsere Liebe ohne Erwartung auf Gegenleistung. Wenn ich dann mit Gottes Hilfe meinem Ehepartner diese Liebe immer wieder bestätigen kann (durch mein Verhalten) und von ihm bestätigt bekomme, nähren wir unser Liebesfeuer. Es wird wachsen und nie verlöschen.

Ausschnitt Referat Christa und Dr. med. Wilf Gasser

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