Jobst Bittner

Decke des Schweigens

Schweigen gebrochen!

VK18 Modul 6 vom 23.03.19 in der Morija in Frauenfeld

Thema:        Trauma - Teil 3 :
                     Heilung von "generationenübergreifenden Traumata"
Referenten: Jobst Bittner (tos.info) und Team

Wie ständig unter dem Nebel zu sein ist es, mit einem Trauma zu leben (Thomas Bachofner). Heute wollen wir diese (Nebel-)Decke lüften; nicht wegziehen oder gar wegreissen, sondern durch Gottes Barmherzigkeit aufdecken lassen.
Dieser Samstag ist geprägt von Jobst Bittner und seinem Team, von einer Fülle von Informationen und berührenden Zeugnissen über die Folgen von generationen-übergreifenden Traumas und wie sie durch Erkennen, Bekennen, Busse und Gebet gebrochen werden können.
... der Gnade bewahrt Tausenden, der Schuld, Vergehen und Sünde vergibt, der aber nicht ungestraft lässt, sondern die Schuld der Vorfahren heimsucht an Söhnen und Enkeln, bis zur dritten und vierten Generation.(2Mose 34,7)
Dieser Generationentransfer wird in der Fachwelt nicht weiter bestritten. Schweigen über Schuld bringt keinen Frieden. Stille kann Anbetung sein – aber ein Ehepaar lebt sich durch Schweigen auseinander!

Zuerst beschäftigen wir uns mit der «Decke des Schweigens»* und zoomen dann von den nationalen Geschichten auf die einzelne Familie herunter. Es ist ein biblisches Prinzip, dass wir überall anwenden können.
Wenn wir die Segenslinie einer Nation ansehen, müssen wir über die Erwählung Israels als besonderes Erbe Israels für jede Nation nachdenken.
Und ich will segnen, die dich segnen, und wer dir flucht, den werde ich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter der Erde! (1Mose 12,3)
Gott legt von Anfang an fest, dass unsere Haltung zu Israel auch die Haltung von Gott zu uns beeinflusst. Wir können nur geheilt werden, wenn wir das Prinzip von Segen und Fluch erfasst und beherzigt haben. Entscheidet euch für eine Seite, den Segen oder Fluch - es gibt keinen Mittelweg (sowohl als auch). Neutralität bringt Schweigen hervor. Aber Schweigen heisst Partei ergreifen, ist die Schwester der Tat! Es kann aber keine Neutralität der Sünde geben!
Neutralität ist eine Säule, die die Decke des Schweigens aufrechterhält und man kann sich dabei gut mit Diktatoren absprechen (siehe Saudi-Arabien).
Wer irgend sein Leben zu retten sucht, wird es verlieren; und wer irgend es verliert, wird es erhalten. (Luk 17,33)
Neutralität erlaubt Rückzug, Passivität, Gleichgültigkeit. Diese Schutzschicht muss weg, damit die Realität an uns herankommen kann. Die Übertragung von Trauma schwächt sich mit der Zeit nicht ab, sie können sich sogar verstärken! Wo die Aufarbeitung nicht gelingt, wird die Gefühlserbschaft zur Last der Enkel und Enkelinnen. Innerfamiliärer Wiederholungszwang! Kinder können zum seelischen Mülleimer werden. Menschen zerbrechen an unserer Leistungsgesellschaft (Nazi-Ideologie = wenn ich den Leistungsanforderungen nicht genüge werde ich aussortiert, vernichtet).
Mythos der Neutralen Schweiz - über die geschlossenen Grenzen für Juden wird nicht gesprochen. Die schweigende Mehrheit trägt die gleiche Verantwortung wie die Täter!
Eugenik wurde in der Schweiz praktiziert! Die «Auslese lebenswerten Lebens» führte zu tausenden von Zwangssterilisationen, Wegnahme von Zigeunerkindern (Pro Juventute) oder dem Problem der Verdingkinder. Die Täter und Nutzniesser (Bauern, Priester, Lehrer) können sich heute ihrer Verantwortung immer noch entziehen. Und dieses Denken hinterlässt im Alltag Spuren. Erst 2013 entschuldigte sich der Staat und begann mit der Aufarbeitung! Wie ist mein Umgang mit Schwachen, mit Behinderung, mit Flüchtlingen?
Gemäss Jobst Bittner ist Götzendienst jede Form der Kooperation mit dem Nationalsozialismus, Erhöhung einer nationalen Identität über Gott, Anbetung von Wohlstand, Reichtum und Lebensstandard, Verachtung des Schwachen!
Es ist auch wichtig, dass wir unsere eigene Geschichte aufarbeiten. Dass wir uns erinnern, wie wir uns damals selbst verhalten haben. Wenn wir Fehlverhalten entdecken und dafür Busse tun, können wir Vergebung erhalten, Versöhnung kann stattfinden und neue Beziehungen und Freundschaften sind möglich. Eine Aufarbeitung kann nicht in einem Aufwasch geschehen, sondern braucht Ausdauer und dranbleiben bis der letzte Rest vergeben ist. «Wer nicht schweigen kann, schadet der Heimat!» ist ein Mythos und im Humanismus ist die Gefahr der Überheblichkeit durch Selbstgerechtigkeit.
In den Psalmen steht viel über Traumata. Wahrheit bedroht uns manchmal, aber nur die Wahrheit macht uns frei!

*siehe auch Buch von Jobst Bittner, April 2014, ISBN 978-3-9812441-7-5

Ausschnitt Referat Jobst Bittner

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