Paul Wellauer

Übernimm Verantwortung - Steh auf und geh!

VK18 Modul 9 vom 21.06.19 in der Morija in Frauenfeld

Thema:       Zusammenarbeit im Leib Christi
Referent:    Paul Wellauer, Pfarrer Evang. Bischofszell

Paul Wellauer, aufgewachsen als Bauernsohn in Bussnang, verheiratet, sechs Kinder, mitgemacht bei Campus für Christus, mehrere Jahre in den Sieber-Werken gearbeitet, seit zehn Jahren evangelischer Pfarrer in Bischofszell, lässt uns an diesem Abend an seiner reichen Lebenserfahrung in der Zusammenarbeit am Leib Christi teilhaben.

Gemeinschaft
Jesus hat einen Weg in Gemeinschaft gemacht, mit Zwölf im engeren Kreis und Zweiundsiebzig im grösseren Kreis, mit Frauen und Männern welche ihn in seiner irdischen Zeit begleiteten. Er lehrte sie so das Leben im Reich Gottes und lebte es ihnen vor. Und wir stehen in seiner Nachfolge. Gemäss Lukas, Kapitel 10, sandte sie Jesus zu je zwei aus:
Die Ernte ist gross, der Arbeiter aber sind wenige. (Luk 10,2)
Sie sollen den Frieden über das jeweilige Haus proklamieren und wenn da Friede sei, werde er bleiben, sonst würde er wieder zu ihnen zurückkehren. Dort wo Friede sei, sollen sie die Kranken heilen und Gottes Reich verkünden. Und sie erhielten Macht über die Geister!
Doch darüber freuet euch nicht, dass euch die Geister untertan sind; freuet auch aber, dass eure Namen in den Himmeln angeschrieben sind. (Luk 10,20)
Wenn ihr Frieden findet, dann bleibt. Eine spannende Formulierung. Dies ist auch eine Erfahrung, wenn man in einem Dienst ist und für andere betet; nicht überall wird das gewünscht, sind wir willkommen. 
Ein Buch, das Paul Wellauer mehrmals gelesen hat, ist «Gemeinsames Leben» von Dietrich Bonhoeffer. Ein Zitat daraus, das nicht so ganz einfach zu verstehen ist:  «Wer nicht in der Gemeinschaft steht, der hüte sich vor dem Alleinsein! Wer nicht allein sein kann, der hüte sich vor der Gemeinschaft!» Gemeint ist damit, dass es Dinge gibt, die wir ganz persönlich mit Gott in der Stille klären sollten. Wenn wir es aber immer wieder in die Gemeinde tragen, wird es eine Belastung für die Gemeinde. Der umgekehrte Fall ist, wenn sich jemand in seinen Sorgen und Nöten vergräbt, nur noch Zwiesprache mit Gott und sich selber hält, der hätte dringend Gemeinschaft nötig. Die Gemeinschaft kann helfen, wieder den richtigen Weg zu finden. So half ihm der Hauskreis, als er sich völlig in seiner Arbeit zu verlieren drohte, seine Ehe zu retten. Andere können sehen, wo man selber blind ist.
Schauen wir die, für die wir beten, als gleichwertig an! Oft stehen wir in der Gefahr, uns ungerechtfertigt zu erhöhen – Jesus macht keinen Unterschied, er begegnet dem Kranken auf Augenhöhe. Jesus ist bei seinen Heilungen nie nach Schema F oder X vorgegangen. Er nimmt den einzelnen Menschen wahr. Einige berief er in die Nachfolge, andere nicht. Gott ist nicht ein Gott der Unordnung, sondern ein Gott des Friedens (Ordnung allein genügt nicht). Zuerst habe ich den Zuspruch von Jesus und aus diesem Zuspruch darf ich mit ihm und durch ihn tätig werden.
Am Beispiel der Freunde, die ihren kranken Bruder durch das Dach zu Jesus abseilten stellt uns Paul Wellauer die Frage, ob auch wir für unsere Freunde Mauern durchbrechen können, damit sie den Weg zu Jesus finden? Mauern aus Ignoranz, Unverständnis, kirchlichen Regeln. Können uns Freunde vertrauen, wenn wir sie «am Seil hinunterlassen», in die Mitte zu Jesus? Bevor die Heilung sichtbar wird, erhält der Geheilte die Verantwortung über sein Leben zurück: «Nimm dein Bett und geh!» Manche Kranke haben Angst gesund zu werden, weil sie dann wieder Verantwortung für ihr Leben übernehmen müssen. Wir sind gefordert, ihnen zu helfen, diese Angst zu überwinden.

Jüngerschaft
Jesus hat seine Jünger zu je zwei ausgesandt. Dies ist biblisch und sinnvoll, dass wir zu zweit unterwegs sind, auch im Gebetsdienst. Sowohl zur Unterstützung als auch zur Korrektur, aber auch zum Schutz vor Übergriffigkeit in jeder Beziehung. Zu zweit auf Gott hören und das Gehörte miteinander austauschen – nur was beide gleich hören ist von Gott. Seid ehrlich zu einander. Gute Freunde sind die, die einander in Liebe ermahnen können.
Mittragen: An ihrer Liebe untereinander sollen sie euch erkennen. Und als Beispiel hat Jesus seinen Jüngern die Füsse gewaschen. Die Fusswaschung ist etwas sehr persönliches und setzt gegenseitiges Vertrauen voraus.
Mit-leiden wie Dietrich Bonhoeffer an der Kirche heisst auch aushalten, dass wir noch nicht am Ziel sind. Unsere kirchlichen Gemeinschaften sind noch unvollkommen, streiten miteinander über den «richtigen» Weg. Dabei brauchen wir alle den gleichen Heiligen Geist für Erkenntnis und Führung und könnten uns gegenseitig bereichern und unterstützen. Lichtblicke sind da die Allianzgottesdienste, wo verschiedene Denominationen in Einheit Gottesdienst feiern, Gott loben und anbeten.
Eine Ermahnung an die Hauskreise: passt auf, dass ihr nicht «zu» friedlich und «zu» höflich miteinander umgeht – sonst kann es «friedhöflich» werden.

Gemeinde
Ein weiser Bruder hat ihm gesagt: ein Christ müsse sich zweimal bekehren: das erste Mal zu Christus, das zweite Mal zum Leib Christi, der christlichen Gemeinde. Diese Zweite ist schwieriger, denn die Gemeinde ist noch nicht vollkommen, wie wir auch nicht. Solochristen sind nicht vorgesehen. Eine gute Regel ist, dass nie schlecht über andere Gemeinden geredet wird. Auch dann, wenn wir nicht mit allem einverstanden sind und auch nicht alles gut ist.
Paul Wellauer zeigte uns mit dem Inhaltsverzeichnis der geistlichen Leitlinien der Evangelischen Kirchgemeinde Bischofszell-Hauptwil wie im Dialog ein Leitfaden zu verschiedenen Themen entstanden ist und heute als Leitplanke genutzt wird.
Beispiele zum Gebetsdienst:
Ziel: «Durch das Gebet sollen die Menschen zu einer Begegnung mit Gott gelangen. Sie sollen lernen, Gottes Antwort zu erfassen. Der persönliche Glaube und das Vertrauen in Gott sollen gestärkt werden. Wie Gott antwortet, muss offenbleiben. Er ist souverän und muss nicht nach unseren Vorstellungen handeln.»
Heilsame Gemeinschaft: «In Gottesdiensten, Haus-, Bibel- und Gebetskreisen, in Teams, in Lagern, u.a.m. erleben Christen und Christinnen heilsame Gemeinschaft durch gegenseitige Annahme, gemeinsame Aktivitäten und geteilten Glauben. Ehrliche geschwisterliche Liebe in verbindlicher Gemeinschaft bewirkt Veränderung zum Guten – wo wir einander in der Kraft und Weisheit des Heiligen Geistes ins Leben reden dürfen (vgl. 1.Johannes 4). Heil werden an Leib, Seele und Geist führt immer in die Gemeinde, den Leib Christi. Gibt es Unversöhntes und Verletzungen, bieten wir gerne Hand zur Klärung und Versöhnung.»

Ausschnitt Referat Paul Wellauer

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